Nicht fest, aber verbunden

Manchmal beginnt etwas ganz leise.
Mit einem Strich.
Mit einer Idee.
Mit einem leeren Blatt.

Diese Schale war am Anfang nur eine Form.
Ein Kreis, ein Gefäß, ein Raum.

Darunter wuchsen Wurzeln – suchend, tastend, nicht fest und doch verbunden mit der Erde.
Verankert.

Lange wusste ich nicht, was in dieser Schale entstehen würde.
Ich habe gezögert.
Gezweifelt.
Angst gehabt, den nächsten Strich zu setzen.

Denn jeder Strich verändert etwas.

Und doch ist genau das das Leben.

Dann kam der Samen.
Klein, unscheinbar, kaum sichtbar.
Aber voller Kraft.

Und wie Samen das nun einmal tun, begann er zu wachsen.

Er drückte von innen gegen die Schale.
Ganz leise zuerst.
Dann stärker.

Bis die Schale Risse bekam.

Früher hätte ich versucht, diese Risse zu verstecken.
Heute weiß ich:
Sie gehören dazu.

In der japanischen Kunst des Kintsugi werden Brüche nicht verborgen.
Sie werden mit Gold gefüllt.
Der Bruch wird sichtbar – und dadurch wertvoller als zuvor.

Auch in diesem Bild.

Ein kleiner Keim.
Eine große Schale.
Risse, die entstehen, weil innen Leben wächst.

Und ein goldener Weg, der zeigt:

Manchmal ist es genau das,
was uns von innen sprengt,
das uns gleichzeitig mit der Welt verbindet.

Nicht fest.
Aber verbunden.