Wenn die Starke den Rufknopf drückt

Auch vor 5 Tagen:
Heute war die Knochenbiopsie. Ein Eingriff, der nüchtern betrachtet „nur“ ein medizinischer Schritt ist – aber emotional viel größer wirkt, als man vorher denkt. Und jetzt, zum Abend, spüre ich das ganze Gewicht davon. Die Schmerzen sind heftig. Nicht durchgehend, sondern in Wellen. Kommen, gehen, wiederkommen. Es fühlt sich an, als würde mein Körper sagen: „Lass mich bitte einfach nur kurz sein. Ich arbeite hier.“
Und dann ist da diese Müdigkeit. Nicht die Art von Müdigkeit, die man mit einem Kaffee erschlägt. Sondern die Sorte, die tief sitzt. Die sich anfühlt wie ein zu schwerer Mantel, unter dem man fast verschwindet.

Heute war ein Tag, an dem ich etwas tun musste, das mir schwerer gefallen ist als der Eingriff selbst: Ich musste Hilfe einfordern. Ich liege stationär. Und ich habe es nicht geschafft, aufzustehen und zum Team zu gehen – zu dem Team, mit dem ich sonst eng zusammenarbeite, mit dem ich lache, organisiere, tröste, funktioniere. Die Kolleginnen, mit denen ich sonst „auf Augenhöhe“ bin. Und genau deshalb war das Drücken des Rufknopfs so eine große Sache. Es hat sich verletzlich angefühlt. Fremd. Beinahe peinlich – obwohl es das nicht ist. Aber ich war so erschöpft, dass ich es allein nicht geschafft habe. Also habe ich gedrückt.
Und meine Kollegin kam. In diesem Moment wurde mir klar:Hilfe anzunehmen ist manchmal der mutigste Schritt. Und es ist okay, wenn der Körper irgendwann sagt:„Stopp. Das ist jetzt zu viel.“
Wir alle haben Rollen, in denen wir stark sind. Ich bin oft die, die läuft, arbeitet, erklärt, entscheidet, regelt.Heute war ich die Patientin. Und das darf ich auch sein. Es ist keine Schwäche, nicht heute und nicht morgen.
Vielleicht ist dieser Blogeintrag mein erster Schritt zurück in mein Ventil (mein Blog fackjukrebs) – zurück in das ehrliche Aufschreiben dessen, was ist.
Zurück in die Worte, die sortieren, was sich im Kopf überschlägt.
Heute habe ich gelernt: Selbst die Stärkste darf den Rufknopf drücken. Und manchmal ist genau das der Moment, in dem man sich selbst ein Stück näher kommt.