Wenn eine Ära leise endet

Frankfurt.
Leipzig.
Berlin.
Bremen.

Was haben diese Städte gemeinsam?

Für mich ganz einfach:
Buchmessen.

Messen, auf denen ich war.
Messen, auf denen ich stundenlang durch Hallen gelaufen bin, mit leuchtenden Augen, mit Büchern in den Händen, mit Gesprächen im Kopf und Geschichten im Herzen.

Ich liebe Bücher.

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da haben sie mir mehr oder weniger das Leben gerettet.
Sie haben mich durch schwere Zeiten getragen.
Mich über Wasser gehalten.
Mir Luft zum Atmen gegeben, wenn sich alles eng angefühlt hat.

Lesen war nie nur ein Hobby.
Lesen war immer ein Ort.

Ein Ort, an den ich gehen konnte, wenn die Welt zu laut wurde.


Lesen im Dunkeln

Vielleicht fing alles sogar schon viel früher an.

Als Kind.

Damals habe ich mir Taschenlampen selbst gebaut.
Mit einer Flachbatterie, etwas Klingeldraht und einer kleinen Glühlampe.

Nicht, weil ich basteln wollte.
Sondern weil ich lesen wollte.

Unter der Decke.
Heimlich.

Meine Mutter hat mir diese Konstruktionen regelmäßig wieder abgenommen – in der Hoffnung, dass ich endlich schlafe und nicht noch ein Kapitel lese.

Aber wahrscheinlich ist genau dort etwas entstanden, das mich bis heute begleitet.

Lesen im Dunkeln.

Später wurde daraus tatsächlich ein Name.
Der Name meines Blogs.

Und irgendwie passt er bis heute perfekt.


Bücher, Menschen und ein Netzwerk

Mit der Zeit blieb es nicht nur beim Lesen.

Ich begann Autorinnen und Autoren zu unterstützen.
Ihre Bücher vorzustellen.
Über Geschichten zu schreiben.

Auf Buchmessen habe ich viele von ihnen persönlich kennengelernt.

Aus Begegnungen wurden Gespräche.
Aus Gespräche wurden Kontakte.
Und irgendwann entstand daraus ein kleines Netzwerk.

Eine Welt aus Geschichten, Menschen und Ideen.

Eine Welt, in der Bücher verbinden.


Wenn sich Dinge verändern

Doch Leben verändert sich.

Nicht plötzlich.
Nicht laut.

Sondern manchmal ganz leise.

Ich lese immer noch.
Bücher gehören weiterhin zu mir.

Aber mein Leseverhalten hat sich verändert.

Ich kann keinem einzelnen Autor oder keiner Autorin mehr diese 100 % Aufmerksamkeit schenken, die ich früher gegeben habe.
Ich kann Bücher nicht mehr in dem Maß begleiten und unterstützen wie damals.

Nicht, weil sie weniger wichtig geworden sind.

Sondern weil mein Leben heute aus vielen kreativen Strängen besteht.

Ich möchte schreiben.
Zeichnen.
Gestalten.
Ideen entwickeln.
Meine kreative Seite in all ihren Formen leben.

Und dafür braucht es Raum.


Ein Abschied ohne Drama

Deshalb gehören auch Buchmessen inzwischen zu meiner Vergangenheit.

Nicht aus Frust.
Nicht aus Enttäuschung.

Sondern einfach, weil sich Wege verändern.

Die Liebe zu Büchern bleibt.
Immer.

Aber sie hat heute einen anderen Platz in meinem Leben.

Vielleicht ist das der Lauf der Dinge.
Vielleicht auch nur ein neues Kapitel.

Denn Geschichten enden selten wirklich.

Sie verändern nur ihre Richtung.

Und irgendwo – da bin ich mir sicher –
wird immer noch jemand unter einer Decke sitzen
und heimlich weiterlesen.

Mit einer kleinen Taschenlampe.

Im Dunkeln.