Zwischen Diagnostik, Worten und dem, was sie mit mir machen

Auch vor 3 Tagen:
Manchmal sind es gar nicht die großen Diagnosen, die einen aus der Bahn werfen. Manchmal reicht ein Satz in einem MRT-Befund, ein Stirnrunzeln des Arztes, ein Wort wie „Durchbruch“ oder „Tumor“… und plötzlich wird es eng im Brustkorb.
Heute war so ein Tag.
Ich habe meinen MRT-Befund nun wirklich oft gelesen. Und jeder einzelne Satz wirkt wie ein Stein, den man im Bauch mit sich trägt. Nicht, weil dort steht „es ist Krebs“. Steht ja nicht.
Sondern weil dort Worte stehen, die in meinem Kopf sofort Alarm auslösen – einfach, weil ich diese Geschichte schon einmal erlebt habe. Und weil man, wenn man einmal durch eine solche Zeit gegangen ist, jedes neue Bild mit alten Ängsten vergleicht.
Der Befund beschreibt Veränderungen.
Große Veränderungen.
Mehrere Areale, die „anders“ aussehen.
Kein glasklarer Hinweis auf etwas Böses, aber genug Unklarheit, um eine Biopsie nötig zu machen.
Und genug Unschärfe, um meine Gedanken mal wieder in alle Richtungen schießen zu lassen.
Und dann sitze ich da beim Unfallchirurgen, der sagt:„Das kann ich so nicht beurteilen. Dafür braucht man ein CT.“
Und ich merke, wie mein Kopf diesen Satz sofort übersetzt in: „Das sieht schlimm aus.“ Obwohl er es nicht gesagt hat. Er hat einfach nur seinen Job gemacht. Er hat erklärt, dass ein MRT nicht der richtige Film ist, um zu entscheiden, ob man dort operieren kann, wie stabil der Knochen wirklich ist oder ob eine Prothese halten würde.
Ein völlig sachlicher Satz.
Aber mein Körper hört das anders.
Mein Körper hört: Gefahr.
Und gleichzeitig sagt der Befund selbst so viele Dinge, die ich überlese, weil mein Gehirn gerade nur auf Rot blinkt: Keine Weichteilmasse. Keine Fraktur. Keine extraossäre Ausbreitung. Femurkopf unauffällig. Nichts, was typisch aggressiv aussieht. Nichts, was allein durch das MRT schon eine Diagnose zulassen würde.
Das ist das Verrückte: Der Befund macht Angst, aber er sagt nicht „es ist bösartig“.
Der Chirurg konnte nichts entscheiden, aber er hat auch nichts Neues Schlimmes entdeckt.
Die Biopsie wurde gemacht, weil das Bild nicht eindeutig ist bzw. man wissen will womit man es zu tun hat– und genau das ist doch eigentlich beruhigend.
Und trotzdem sitze ich heute Abend hier, müde und weichgeklopft.
Weil dieser Prozess so viel Kraft zieht.Weil man zwischen den Zeilen oft viel mehr Emotion findet als in den eigentlichen Worten. Weil man ständig zwischen Hoffnung und Angst balanciert, ohne zu wissen, auf welche Seite man fällt.
Aber heute habe ich etwas gelernt: Ich darf müde sein. Ich darf erschöpft sein. Ich darf diese Unklarheit blöd finden.
Und gleichzeitig darf ich anerkennen: Ich bin noch mitten im Prozess. Nichts ist endgültig. Das CT lief heute. Der Biopsie Befund kommt. Und erst dann gibt es Antworten. Bis dahin gehe ich weiter. Nicht, weil ich mutig bin. Sondern weil es einfach der nächste Schritt ist. Und manchmal reicht genau das. Die nächste Stufe, nicht gleich die ganze Treppe.