Zwischen Fortschritt und Fremdblick

Heute nervt mich alles.
Und das, obwohl noch gar nichts passiert ist.

Ich bin einfach aufgewacht
und hatte dieses Gefühl.

Dabei läuft es eigentlich besser.
Deutlich besser als noch vor ein paar Monaten.

Ich kann wieder laufen.
Nicht immer schön.
Nicht immer rund.
Aber ich laufe.

Und dann reicht manchmal ein Satz von außen:

„Du läufst immer noch so schlecht… das sah schon mal besser aus.“

Ja.
Stimmt vielleicht.
Aber es sah auch schon mal deutlich schlechter aus.

Was Menschen oft sehen, ist ein Moment.
Was ich lebe, ist ein Weg.

Sie sehen Sekunden.
Ich trage Monate.

Und manchmal wünsche ich mir,
dass sie einfach nichts sagen.

Und dann ist da noch etwas anderes.
Etwas, das leiser ist.
Aber tiefer geht.

Dieses Gefühl,
dass sich Beziehungen verändern.
Dass Menschen, die mal ganz nah waren,
plötzlich schwer greifbar werden.

Nicht, weil etwas passiert ist.
Sondern weil irgendwie… nichts mehr passiert.

Gespräche bleiben oberflächlich.
Nähe wird zu etwas, das man erinnert –
aber nicht mehr erlebt.

Und ich frage mich:
Ist das ein Teil davon?

Dass Krankheit nicht nur den Körper verändert,
sondern auch das Umfeld?

Dass nicht jeder den Weg mitgehen kann.
Oder will.
Oder vielleicht einfach nicht weiß, wie.

Manche haben damals mitgetragen.
Sehr sogar.

Und vielleicht war genau das irgendwann zu viel.
Vielleicht brauchten sie Abstand,
um wieder bei sich selbst anzukommen.
Ich kann das verstehen.

Und trotzdem bleibt da etwas zurück.

Ein leiser Schmerz.
Eine Irritation.
Und die Frage,
wo wir eigentlich gerade stehen.

Ich gebe jeden Tag mein Bestes.

Und manchmal reicht das auch.
Und manchmal… nervt trotzdem alles.

Beides darf gleichzeitig da sein.

Und vielleicht ist genau das heute meine Wahrheit:

Ich bin weitergekommen.
Auch wenn es nicht jeder sieht.
Auch wenn nicht jeder bleibt.

Und ich gehe trotzdem weiter.