08. März – Brauchen wir den Weltfrauentag noch?
Heute ist der 08. März. Internationaler Frauentag.
Und jedes Jahr taucht dieselbe Frage auf:
Brauchen wir diesen Tag eigentlich noch?
Ich schaue in die Welt.
Ich schaue nach Afghanistan.
Ich schaue nach Iran.
Ich schaue nach Europa.
Ich schaue direkt vor unsere eigene Haustür.
Und meine Antwort ist klar: Ja. Wir brauchen ihn.
Vielleicht sogar wichtiger denn je –
solange Frauen nicht gleichberechtigt behandelt werden,
solange wir fast täglich von Femiziden hören,
um nur zwei Punkte direkt zu benennen.
Denn während viele glauben, Gleichberechtigung sei längst erreicht, zeigt ein genauerer Blick etwas anderes. Frauenrechte stehen weltweit wieder stärker unter Druck. In manchen Ländern offen und brutal. In anderen leiser, subtiler – aber nicht weniger wirksam.
Frauen leisten in vielen Bereichen mindestens genauso viel wie Männer.
Und trotzdem verdienen sie oft weniger.
Sie sind in Unternehmen, Politik oder Öffentlichkeit sichtbar – aber nicht immer wirklich gleichgestellt. Manchmal werden sie zum Aushängeschild, während die entscheidenden Strukturen unverändert bleiben.
Und dann ist da noch dieses ständige Beobachtet- und Bewertetwerden.
Frauen werden kommentiert.
Ihr Aussehen.
Ihr Auftreten.
Ihre Stimme.
Zu laut.
Zu leise.
Zu präsent.
Zu zurückhaltend.
Zu dick.
Zu dünn.
Es scheint immer etwas zu geben, das nicht passt.
Und während all das passiert, gibt es noch eine viel dunklere Realität:
Viele Frauen fühlen sich nicht sicher.
Der Begriff Femizid steht für eine erschreckende Wahrheit. Frauen werden getötet, weil sie Frauen sind. Weil sie gehen wollten. Weil sie sich gewehrt haben. Weil jemand glaubte, über ihr Leben bestimmen zu dürfen.
Das ist keine ferne Statistik.
Das passiert auch hier.
In unserem Land.
Deshalb ist der 08. März kein Relikt der Vergangenheit.
Er ist ein Symbol für den fortwährenden Kampf um Gleichberechtigung und ein Aufruf zur Veränderung. Auch wenn wir in vielen Bereichen Fortschritte erzielt haben, stehen Frauen weltweit noch immer vor zahlreichen Herausforderungen.
Der Frauentag gibt uns die Gelegenheit, hinzusehen.
Zu reflektieren.
Darüber zu sprechen.
Und gemeinsam weiter für eine gerechtere Zukunft zu kämpfen.
Denn Gleichstellung der Geschlechter ist keine nette Idee und kein „wünschenswerter Zustand“.
Sie ist ein grundlegendes Menschenrecht.
Und vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem wir den 08. März nicht mehr brauchen.
Ein Tag, an dem Frauen sich überall auf der Welt sicher fühlen können.
Ein Tag, an dem ihr Wert nicht mehr diskutiert wird.
Ein Tag, an dem gleiche Arbeit selbstverständlich gleich bezahlt wird.
Ein Tag, an dem niemand mehr darüber urteilt, wie laut eine Frau spricht, wie sie aussieht oder wie sie ihr Leben lebt.
Ein Tag, an dem Mädchen aufwachsen, ohne sich kleiner machen zu müssen.
Ich wünsche mir diesen Tag.
Aber solange Frauen noch kämpfen müssen,
solange ihre Rechte eingeschränkt werden,
solange sie Angst haben müssen,
solange ihre Stimmen überhört werden –
solange brauchen wir den 08. März.