Frühjahrsputz – Version Realität

Frühjahrsputz – Version Realität

Ich dachte ja heute:
Ach komm, ich mache mal ein bisschen Frühjahrsordnung.
Ganz harmlos angefangen.
Mit den Pflanzen. Ein bisschen Erde, ein bisschen Blätter abzupfen…
alles ganz friedlich.

Dann kam die Küche.
Erster Gegner: die Plastikdosen-Schublade.
Ihr kennt sie.
Die Schublade, die nur noch mit sanfter Gewalt schließen kann.
Also alles raus.
Ergebnis: 30 Dosen 17 Deckel und eine einzige Dose mit passendem Deckel.
Ich habe kurz überlegt, ob ich diese eine Dose feierlich zur Königin der Tupperwelt krönen soll.

Nächster Fund: die Honigbibliothek.
Waldhonig.
Blütenhonig.
„Den haben wir mal im Urlaub gekauft“.
„Der sah so lecker aus“.
„Den wollte ich mal probieren“.
Und während ich die Gläser sortiere, wird mir klar:
Wir essen ja sowieso nur unseren eigenen Honig.
Also stehe ich da…vor einer Sammlung internationaler Honigsorten…während die Bienen im Garten wahrscheinlich denken: „Ernsthaft jetzt?“

Und als ich dachte, schlimmer wird es nicht…
Warmhalteflaschen.
Ich habe keine Ahnung, wann genau wir beschlossen haben, ein Thermosflaschenmuseum zu eröffnen.
Eine für Kaffee.
Eine für Tee.
Eine, die „eigentlich noch gut ist“.
Eine, bei der der Deckel komisch ist.
Und eine, bei der niemand weiß, wo sie eigentlich herkommt.

Fazit des Tages: Pflanzen versorgt. Plastikdosen aussortiert. Honigbibliothek entdeckt. Thermosflaschenbestand analysiert.
Und irgendwo dazwischen dachte ich: Vielleicht ist Frühjahrsputz gar kein Putzen. Vielleicht ist es einfach nur feststellen, wie viel Zeug man besitzt, das man eigentlich gar nicht braucht.
Aber immerhin: Die Schiebetür der Küche geht wieder zu. Und das ist heute schon ein ziemlich großer Erfolg.

Antje Chilla