Kleine Schritte zurück ins Leben

Kleine Schritte zurück ins Leben

Mir geht es nach wie vor besser. Der Kurzurlaub hat mir unwahrscheinlich gut getan. Auch mein letzter Termin bei der Psychoonkologin war wohltuend – und der kurze Besuch bei meiner Freundin im Anschluss erst recht. All das zusammen hat mir spürbar Stabilität gegeben.

Im Moment fühle ich mich insgesamt gefestigter, auch wenn sich das ein oder andere Wehwehchen dazugesellt hat. Vieles davon dürfte noch eine Folge der Bestrahlung sein und wird am Montag mit meiner Onkologin besprochen. Ende des Monats steht dann zusätzlich noch der Kontrolltermin bei der Strahlentherapeutin an.

Schmerzmittel konnte ich deutlich reduzieren, teilweise brauche ich sie kaum noch. Wenn doch, reicht mir aktuell eine Ibu 400 vollkommen aus. Die Schmerzen selbst fühlen sich inzwischen eher muskulär an.

Jeden Tag trainiere ich mein Gangbild – dreimal täglich für ein paar Minuten. Ich lerne wieder, normal zu gehen, ohne ständig in die rechte Seite hineinzudrücken. Auf der Treppe versuche ich, zumindest zwei bis drei Stufen im normalen Schritt zu nehmen und nicht mehr im Nachstellschritt. Für mehr reicht es im Moment noch nicht – und das ist okay.

Alles andere an Training erzeugt bei mir im Vorfeld vor allem Stress im Kopf. Deshalb lasse ich es aktuell bewusst sein. Auch das gehört gerade zu meinem Weg.

Mein Gabapentin werde ich nun ebenfalls reduzieren: morgens bleiben 600 mg, abends gehe ich auf 300 mg herunter.
Das Kisqali nehme ich jetzt seit etwas über zwei Wochen und habe bisher das Gefühl, es gut zu vertragen.

Was mir allerdings weiterhin Probleme bereitet, ist der Kehlkopfbereich. Schlucken funktioniert grundsätzlich, aber ich verschlucke mich leider immer noch sehr häufig.

Zusätzlich hat sich eine Reizblase entwickelt, begleitet von einer leichten Form der Inkontinenz. Vermutlich ist auch das eine Folge der Beckenbestrahlung. Im Moment ist es vor allem unangenehm, weil die Wahrnehmung und gezielte Ansteuerung des Beckenbodens noch fehlt. Ich hoffe sehr, dass sich auch dieser Bereich mit der Zeit wieder beruhigt.

Gestern habe ich etwas geschafft, das mich selbst überrascht hat: Ich bin tatsächlich 12.000 Schritte gelaufen. Außerdem habe ich unsere Wohnung aufgeräumt – etwas, wofür mir in den letzten Monaten schlicht die Energie und Kraft gefehlt haben. Es tat gut zu merken, dass solche Dinge langsam wieder möglich sind.

Besonders froh macht mich, dass ich meinem Mann endlich wieder ein kleines Stück Last abnehmen kann. Auch wenn es aus meiner Sicht noch nicht viel ist, fühlt es sich wie ein wichtiger Schritt an.

Und dann gab es gestern Abend noch einen ganz besonderen Moment: Zum ersten Mal seit langer Zeit war ich wieder bei meinem Lieblingsitaliener. So herzlich und liebevoll willkommen geheißen zu werden, hat mir unglaublich gutgetan. Es war einfach nur schön.

Read more