Schwarz auf Weiß
Und dann liegt er da.
Der Befund.
Unbestechlich, ohne Weichzeichner.
Schwarz auf weiß: Es sind Metastasen.
Drei weitere in der BWS.
Und doch ein seltsam vertrautes Detail inmitten des Schocks:
Die Tumorformel ist exakt dieselbe wie vor zehn Jahren.
Hormonrezeptor-positiv. Her2neu-negativ.
So soll es sein.
Weil es bedeutet: Das, was damals gewirkt hat, kann auch jetzt wieder wirken.
Ein kleiner Funken Kontrolle in einem Moment, in dem alles andere entgleist.
Was jetzt kommt
Der Therapieplan steht – schneller, als ich ihn greifen kann:
- Bestrahlung der rechten Hüfte
- Bestrahlung von BWK 2 und 7–9
- Pamidronat alle vier Wochen
- Faslodex
- Ribociclib als Östrogenblocker
Eine Kombination, die hart arbeitet. Und hoffentlich für mich.
Wie es mir geht?
Gute Frage.
Ich weiß es nicht.
Es ist viel.
Zu viel.
Und gleichzeitig fühle ich mich, als würde ich das alles nur aus der Ferne sehen.
Nicht greifbar, nicht real, nicht verstehbar.
Und dann wieder doch:
Ich fühle mich in der Klinik gut aufgehoben.
Gesehen. Ernst genommen.
Nicht allein.
Und dann diese Fragen…
Viele Menschen stellen mir im Moment dieselbe – völlig berechtigte – Frage:
„Hast du nicht daran gedacht, dass das vom Brustkrebs kommen kann?“
Natürlich habe ich das.
Man ist ja nicht plötzlich naiv, nur weil man hofft.
Aber gleichzeitig gab es eben auch degenerative Veränderungen, die genauso hätten passen können.
Und Hand aufs Herz:
Wer von uns schaut freiwillig in dieses fiese Gesicht des Brustkrebses zurück?
In das Gesicht, das einen Jahre später noch heimsuchen kann?
Wir alle wissen, dass er es kann.
Aber niemand möchte es voreilig aussprechen.
Ein kleiner Lichtblick heute
Heute Nachmittag war Julia bei mir – Freundin, Kollegin, und inzwischen ein wichtiger Mensch an meiner Seite.
Ursprünglich waren wir „nur“ Kollegen, aber es gibt diese Begegnungen, die leise wachsen, ohne großes Tamtam. Und genau so war es bei uns.
Sie arbeitet in der ambulanten onkologischen Pflegeberatung – und zack, hatte ich heute schon meine ersten Pflegetipps für die Bestrahlungszeit.
Welche Hautpflege Sinn macht, was ich tun kann, um die Nebenwirkungen an der Speiseröhre gering zu halten, worauf ich achten sollte.
Es war gut.
Es war hilfreich.
Es war ein Stück Sicherheit in einem Tag, der sonst so viel Unsicherheit gebracht hat.
Ich muss nicht alles heute begreifen – es reicht, wenn ich mich Schritt für Schritt durch diese neue Wirklichkeit bewege. Und ich gehe sie nicht allein.