Tag 1 nach Bestrahlung – müde, kaputt… und trotzdem hier

Tag 1 nach Bestrahlung – müde, kaputt… und trotzdem hier

Der erste Tag nach der Bestrahlung fühlt sich an, als hätte jemand den Stecker gezogen.
Ich bin müde, richtig müde — nicht das gemütliche Sofamüde, sondern dieses tiefe, schwere Müdesein, das bis in die Knochen sinkt. Mein Körper arbeitet im Hintergrund, merkt sich den gestrigen Start und versucht neu zu sortieren.

Und die Hüfte… die meldet sich heute deutlicher.
Ein bisschen so, als würde sie sagen: „Hey, ich hab gestern auch was abbekommen.“
Die Schmerzen sind stärker als gestern, nicht unerwartet, aber trotzdem belastend. Der Weg vom Liegen zum Stehen fühlt sich an wie ein kleiner innerer Kampf, und jeder Schritt erinnert mich daran, was mein Körper gerade leistet.

Trotzdem bin ich aufgestanden.
Trotzdem schreibe ich das hier.
Trotzdem bewege ich mich durch den Tag.

Vielleicht ist genau das schon genug für heute.

Manchmal ist Tag 1 nicht mutig oder euphorisch oder stark.
Manchmal ist er einfach nur: müde, kaputt und ehrlich.

Die zweite Bestrahlung lief heute Abend gut — ruhig, konzentriert, technisch wie immer. Aber ich merke, dass mein Körper arbeitet. Da ist dieses leise, unterschwellige Gefühl, dass etwas in Bewegung geraten ist, tief drinnen, wo ich es nicht greifen kann, aber dennoch spüre.

Was heute wirklich an meinen Kräften gezerrt hat, war etwas völlig anderes: das Taxi.
Nach der Behandlung einfach nur nach Hause wollen — und dann passiert… nichts.
Zweimal angerufen, gewartet, wieder gewartet. Beim dritten Anruf, fast eine Stunde später, war ich einfach nur noch fertig. Diese Mischung aus Erschöpfung, Schmerz und Hilflosigkeit hat mich überrollt. Und als dann immer noch kein Wagen kam, blieb mir nur: meinen Mann anrufen.
Er setzte sich sofort ins Auto — und natürlich kam in genau dem Moment doch ein Taxi um die Ecke. Immerhin ein sehr netter Fahrer, ein kleiner Lichtstrahl nach einem schweren Tag.

Und so sitze ich nun hier:
müde, kaputt… und trotzdem hier.

Auch wenn der erste Schritt schmerzt – jeder weitere bringt mich ein Stück näher an leichteres Gelände.

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