Wenn der Gedanke krank macht

Wenn der Gedanke krank macht
jeden Tag geht die Sonne auf

Manchmal ist es kein Schmerz.
Kein Symptom.
Kein Befund.

Manchmal ist es einfach ein Gedanke.

Der Gedanke daran, dass Metastasen jederzeit auch in Organen auftreten könnten.
Still, nüchtern, sachlich – und doch so laut, dass er mir den Kopf krank macht.

Er kommt nicht mit Ankündigung.
Er sitzt plötzlich da, zwischen zwei eigentlich ruhigen Momenten, und stellt alles infrage:
Planung. Vertrauen. Zukunft.
Nicht, weil gerade etwas passiert – sondern weil es theoretisch passieren könnte.

Ich merke, wie mein Kopf dann versucht, Kontrolle zu übernehmen.
Er rechnet Möglichkeiten durch, malt Szenarien, bleibt wachsam.
Als könnte ich mich schützen, wenn ich nur genug vorausdenke.

Aber das funktioniert nicht.

Denn Möglichkeit ist nicht Wirklichkeit.
Und Wachsamkeit ist keine Sicherheit.

Ich werde behandelt.
Mein Körper arbeitet.
Die Therapien sind genau dafür da, Dinge zu bremsen, klein zu halten, aufzuhalten – auch das, was man noch gar nicht sehen kann.

Und trotzdem bleibt dieser Gedanke.
Nicht ständig. Aber hartnäckig genug, um Spuren zu hinterlassen.

Was mir hilft, ist kein positives Denken.
Kein „alles wird gut“.
Sondern ein leiser, ehrlicher Satz:

"Jetzt gibt es keinen Hinweis darauf.
Jetzt bin ich hier.
Jetzt lebe ich."

Vielleicht ist das die größte Herausforderung:
Im Jetzt zu bleiben, obwohl das Morgen Angst macht.

Ich darf hoffen.
Auch ohne Garantien.
Ich darf planen.
Auch wenn nicht alles sicher ist.

Und ich darf müde sein von diesen Gedanken.
Denn sie sind kein Zeichen von Schwäche –
sondern davon, dass mir mein Leben wichtig ist.