Wenn die Zahlen Angst machen
Wenn Zahlen Angt machen -– und warum sie es nicht immer müssen
Ribociclib, Blutwerte und das Vertrauen in Pausen
Heute war Therapietag, das heißt für mich Blutabnahme, Pamidronatinfusion und 2 Faslodexspritzen.
So ein Termin, bei dem man eigentlich ruhig bleibt – und dann doch auf diese zwei Werte starrt. Bei mir waren es die Leukozyten und die Neutrophile. Niedrig. Sehr niedrig. Und plötzlich ist sie da, diese innere Unruhe: Ist das schlimm? Muss ich mir Sorgen machen?
Die kurze Antwort kam direkt von meiner Ärztin: Nein – zumindest nicht automatisch.
Die längere Antwort ist etwas komplexer. Und genau die möchte ich heute teilen.
Ribociclib und die Leukozyten – was da eigentlich passiert
Ribociclib gehört zu den sogenannten CDK4/6-Inhibitoren. Das klingt technisch, bedeutet aber vereinfacht:
Das Medikament bremst gezielt die Zellteilung. Und zwar nicht nur bei Krebszellen, sondern auch bei gesunden Zellen, die sich schnell erneuern – zum Beispiel im Knochenmark.
Leukozyten entstehen dort. Wenn die Neubildung gebremst wird, sinkt ihr Wert im Blut.
Das ist kein Schaden, sondern ein Wirkmechanismus.
Der entscheidende Punkt:
👉 Diese Wirkung ist reversibel.
👉 Das Knochenmark wird nicht zerstört, sondern macht Pause.
Und genau deshalb ist die Therapiepause so wichtig.
Warum der Tiefpunkt nicht das Entscheidende ist
In meinem aktuellen Labor lagen die Leukozyten deutlich unter dem Normbereich, die neutrophilen Granulozyten knapp unter 1,0. Rein vom Gefühl her liest sich das bedrohlich. Medizinisch betrachtet ist es unter Ribociclib jedoch kein unerwarteter Befund.
Was für die Ärzt:innen wirklich zählt, ist nicht der niedrigste Wert –
sondern die Frage:
Erholen sich die Blutwerte in der Einnahmepause wieder?
Steigen sie an, zeigt das:
✔ Das Knochenmark kann reagieren
✔ Die Therapie ist steuerbar
✔ Der Körper kommt mit der Belastung zurecht
Selbst Dosisanpassungen (z. B. von 600 auf 400 mg) bedeuten dabei keinen Wirkverlust. Das zeigen viele Studien sehr klar.
Zahlen lesen – aber den Körper nicht vergessen
Neben den Leukozyten zeigte mein Labor auch eine leichte Blutarmut. Nichts Dramatisches, aber genug, um Dinge zu erklären, die man im Alltag spürt: schnelleres Frieren, etwas weniger Kraft, mehr Erschöpfung.
Und gleichzeitig gab es viele gute Zeichen:
- Thrombozyten stabil
- Nierenwerte unauffällig
- Leberwerte bis auf eine leicht erhöhte GGT okay
- kein Hinweis auf einen akuten Infekt
Kurz gesagt: Das Gesamtbild zählt. Und das ist gut.
Was mir gerade wirklich hilft
Mir hilft es, die Zahlen einzuordnen, statt mich von ihnen beherrschen zu lassen.
Mir hilft das Wissen, dass Pausen Teil des Therapiekonzepts sind – kein Rückschritt, sondern Regeneration.
Und mir hilft der Blick auf das, was außerhalb des Labors passiert: weniger Schmerzen, mehr Bewegung, mehr Alltag.
Blutwerte sind Momentaufnahmen.
Der Körper ist ein Prozess.
Manchmal sagt der Körper mehr als ein Laborzettel.
Und manchmal sagt eine Pause mehr als jede Tablette.