Zwei Spuren im Schnee
Valentinstag. Yuki. Und dieses leise Gefühl von Zusammen.
Heute Morgen war alles weiß.
Nicht dieses graue, matschige „Irgendwie-Winter“, sondern wieder richtig weiß. Frisch. Unberührt.
Und wir zwei durften die Ersten sein.
Yuki vor mir, dann wieder neben mir. Ihre kleine dunkle Pfote im hellen Schnee. Mein Schuhabdruck daneben. Zwei Spuren, die sich immer wieder kreuzen und doch denselben Weg gehen.
Es war unser erster Spaziergang heute. Valentinstag.
Früher habe ich Valentinstag anders gedacht. Mit Blumen? Mit kleinen Gesten? Mit einem Augenzwinkern Richtung Romantik? Oder vielleicht doch eher "brauch ich nicht. Will ich nicht"?
Heute denke ich bei diesem Datum an etwas anderes.
An Verbindung.
An Mitgehen.
An Bleiben.
Yuki kam nicht als perfekter Moment.
Sie kam als Aufgabe.
Als Herzentscheidung.
Als dieses kleine Wesen aus Rumänien, das noch nicht wusste, ob diese Welt freundlich ist.
Kein Instagram-Hund.
Kein geschniegelt inszenierter Traum.
Sondern wachsam. Vorsichtig. Mit diesem Blick, der fragt:
„Meinst du es wirklich gut?“
Wir haben ihr ein Zuhause gegeben.
Und irgendwann, ganz leise, hat sie uns etwas viel Größeres zurückgegeben.
Stabilität.
Sie kennt keine Diagnosen.
Yuki weiß nichts von Therapiezyklen.
Nichts von Kisqali-Pausen.
Nichts von γ-GT-Werten oder Blutbildern.
Sie kennt keine Sorgen um Leberwerte.
Kein Gedankenkreisen.
Keine Arztgespräche.
Sie kennt nur:
Leine klicken.
Tür auf.
Draußen sein.
Und draußen wird vieles einfacher.
Der Körper darf sich bewegen.
Der Kopf wird leiser. Stiller.
Schmerz wird nicht größer gedacht, sondern kleiner gelaufen.
Manchmal verschwindet er nicht – aber er bekommt Gesellschaft.
Schnee unter den Füßen.
Pfoten neben Schuhprofil.
Atem in der kalten Luft.
Schritt für Schritt.
Es gibt Tage, da trägt sie mich.
An Tagen, an denen ich morgens erst einmal in mich hineinhorche:
„Was macht mein Körper heute?“
An Tagen, an denen ich Geduld üben muss – mit Medikamenten, mit Heilung, mit mir selbst.
Dann schaut sie mich an.
Ohne Drama.
Ohne Analyse.
Nur mit diesem stillen:
„Komm. Wir gehen.“
Und manchmal denke ich, sie rettet mich mindestens genauso sehr, wie wir sie damals gerettet haben.
Valentinstag bedeutet heute etwas anderes.
Er bedeutet für mich:
- Dass Marc an meiner Seite bleibt – bei allem.
- Dass unser Kind lernt, wie stark es ist, Hilfe anzunehmen.
- Dass Familie nicht perfekt, aber verbunden ist.
- Dass selbst nach schweren Jahren noch Leichtigkeit wachsen kann.
Und er bedeutet, dass da diese kleine Hündin ist,
die einfach mitgeht.
Nicht fragt.
Nicht bewertet.
Nicht rechnet.
Sie bleibt.
Zwei Spuren im Schnee.
Heute bin ich kurz stehen geblieben und habe zurückgeschaut.
Zwei Linien im Weiß.
Nicht schnurgerade.
Nicht symmetrisch.
Mal näher, mal weiter auseinander.
Aber immer gemeinsam.
Vielleicht ist das Liebe in ihrer ruhigsten Form.
Nicht das große Feuerwerk.
Nicht das laute Versprechen.
Sondern das stille Nebeneinandergehen.
Durch Winter.
Durch Therapie.
Durch Unsicherheiten.
Durch alles.
Und während ich das hier schreibe, liegt sie neben mir.
Müde vom Spaziergang.
Zufrieden.
Valentinstag.
Und ich weiß:
Manchmal sind es genau diese kleinen Pfotenabdrücke im Schnee,
die zeigen, wie reich ein Leben trotz allem sein kann.
🤍🐾