Zwischen Aufatmen und vorsichtigem Weitergehen
Es geht mir gut.
Das fühlt sich noch immer ein wenig ungewohnt an, fast so, als müsse ich diesen Satz erst ein paar Mal laut aussprechen, um ihm wirklich zu trauen.
Ich bin deutlich mobiler geworden. Den ganzen Tag auf den Beinen, nicht mehr nur in Etappen. Die Spaziergänge haben inzwischen eine Länge von gut zwanzig Minuten erreicht – etwas, das vor wenigen Wochen noch unvorstellbar war. Die Hüfte meldet sich zwischendurch zwar, aber eher muskulär, wie ein Körper, der wieder lernen muss, sich zu bewegen. Kein Vergleich zu den Schmerzen, die mich zuvor ausgebremst haben.
Auch bei den Schmerzmitteln hat sich viel getan. Ich habe sie deutlich reduzieren können. Fest nehme ich nur noch abends etwas, Novalgin wirklich nur bei Bedarf. Allein das gibt mir ein Stück Selbstbestimmung zurück.
Die Schluckstörungen sind spürbar besser geworden. Essen ist wieder möglich, oft sogar genussvoll. Einzig eine Sache bleibt hartnäckig: Immer wieder läuft mir unkontrolliert Speichel in den Rachen und dann Richtung Luftröhre. Regelmäßig endet das mit Hustenanfällen – und mit liebevollen Rückenklopfern meiner Familie. Es ist unangenehm, ja, aber auch etwas, das mich inzwischen mehr nervt als beängstigt. Ein gutes Zeichen.
Weihnachten habe ich gut verlebt. Wirklich gut. Ich konnte alles essen, war dabei, mittendrin, nicht nur anwesend. Das allein fühlt sich wie ein kleines Geschenk an.
Seit gestern nehme ich nun Kisqali. Ich hoffe sehr, dass es ein guter Begleiter für mich wird. Bis jetzt kann ich nichts Negatives berichten – und ich weiß, dass Zeit hier eine Rolle spielt. Aber dieser vorsichtige Optimismus darf sein.
Gestern habe ich zum ersten Mal seit Wochen wieder gekocht. Nicht aus Pflicht, sondern aus Lust. Heute ging es noch weiter: aufräumen, Wäsche waschen, mich konzentriert mit etwas beschäftigen – ganz alltägliche Dinge, die sich plötzlich wieder wie Leben anfühlen.
Und dann war da noch etwas, das mein Herz besonders berührt hat: Ich habe wieder gestickt. Endlich.
Die Konzentration ist noch nicht ganz zurück, ich brauche lange Denkpausen, verliere manchmal den Faden – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Aber auch hier bin ich positiv. Es kommt zurück. Schritt für Schritt.
Vielleicht ist genau das der Kern im Moment: nichts erzwingen, nichts beschleunigen. Wahrnehmen, was geht. Würdigen, was wieder möglich ist. Und darauf vertrauen, dass aus kleinen Fortschritten irgendwann wieder ein stabiles Ganzes wird.
Heute fühlt sich das jedenfalls gut an.