Zwischen Schmerz und Vertrauen

Zwischen Schmerz und Vertrauen

Es gibt Momente, da merkt man eine Veränderung nicht an großen Ereignissen.
Nicht an einem Datum.
Nicht an einem Untersuchungsergebnis.
Sondern an etwas viel Leiserem.

Zum Beispiel daran, dass man abends plötzlich merkt:
Ich habe heute kein Schmerzmittel gebraucht.

In den letzten Wochen hat sich mein Körper langsam verändert.
Nicht spektakulär, nicht über Nacht.
Aber spürbar.

Die Bestrahlung liegt einige Zeit hinter mir.
Und mit ihr diese ständige, zähe Präsenz von Schmerz, die den Tag bestimmt hat.
Schritt für Schritt wurde es besser.
Nicht weg – aber anders.

Ich bin wieder mobiler.
Gehe spazieren.
Bin im Urlaub geschwommen, jeden Tag, Bahn um Bahn, getragen vom Wasser.
Mein Körper hat mitgemacht, fast so selbstverständlich, dass ich es erst später realisiert habe.

Und dann kam etwas Neues:
Abends, im Liegen, meldete sich mein rechtes Bein manchmal mit kurzen Nadelstichen.
Elektrisch, punktuell, flüchtig.
Nicht bedrohlich – eher wie ein leises „Ich bin noch da“.

Vor einiger Zeit hätte mich das sofort verunsichert.
Heute kann ich es einordnen.

Es ist kein Rückschritt.
Es ist kein Alarm.
Es ist ein Nerv, der wieder wahrnimmt, weil der Dauerschmerz leiser geworden ist.
Ein Körper, der nicht mehr nur aushält, sondern reguliert.

Was mir dabei besonders auffällt:
Ich brauche weniger bis gar keine Schmerzmittel – und trotzdem kann ich mehr.
Mehr Bewegung.
Mehr Alltag.
Mehr Vertrauen.

Das ist kein Zufall.
In der Onkologie gilt:
Wenn Schmerzen zurückgehen und Funktion zurückkehrt, dann greift die Therapie.
Oft spürt man das lange, bevor es auf Bildern sichtbar wird.

Natürlich gibt es noch Baustellen.
Ein Reizhusten.
Wenig schmecken.
Schluckbeschwerden.
Dieses unangenehme Verschlucken an der eigenen Spucke.
Auch das gehört dazu.
Nicht alles hängt zusammen, nicht alles hat dieselbe Ursache – und nicht alles ist gleich gefährlich.

Was ich gerade lerne, ist etwas anderes:
Nicht jedes Symptom ist ein Gegner.
Manches ist einfach Teil eines Körpers, der wieder ins Gleichgewicht findet.

Ich bin noch nicht „fertig“.
Aber ich bin auf einem guten Weg.

Und manchmal reicht es, sich abends diesen einen Satz zu sagen:

Weniger Schmerzmittel bei mehr Bewegung ist kein Zufall.
Besserung darf leise sein – sie ist trotzdem echt.

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