Die Frage nach dem Warum

Die Frage nach dem Warum

Manchmal frage ich mich, warum.

Ein Tumor, nur 7 mm groß.
Keine Lymphknoten. Keine sichtbaren Gefäße. Kein großes Drama im Befund.
Und trotzdem — viele Jahre später — Metastasen.

Vielleicht sucht man automatisch nach einem Auslöser.
Nach dem einen Moment, an dem etwas gekippt ist.
Den einen Moment, an dem man nicht aufgepasst hat.

War es das Absetzen von Tamoxifen nach 8 ½ Jahren?
War es der Stress?
Die schwere Krise in dem einen Jahr?
Dieses dauerhafte Funktionieren, dieses Nichtwissen wie es weitergeht?

Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr verstehe ich:
Es gibt wahrscheinlich nicht diese eine einfache Antwort.

Hormonpositiver Brustkrebs ist manchmal leise. Langsam. Geduldig.
Manche Zellen schlafen jahrelang irgendwo im Körper, unsichtbar und still.
Und irgendwann wachen sie auf. Warum genau dann? Das weiß oft niemand.

Aber eines weiß ich inzwischen ziemlich sicher:
Ich möchte nicht in Schuld denken.

Nicht meinem Körper gegenüber.
Nicht der Vergangenheit gegenüber.
Und erst recht nicht meinem Mann gegenüber
oder anderen Personen.

Krisen gehören manchmal zum Leben dazu. Es gibt Zeiten, in denen Beziehungen leicht wirken. Und Zeiten, in denen man kämpfen muss. Wichtig ist vielleicht nicht, ob es schwere Phasen gibt — sondern ob man gemeinsam hindurchgeht.

Und das sind wir.

Vielleicht ist genau deshalb mein Wunsch inzwischen so klein und gleichzeitig so groß geworden:
Ich möchte Zeit.

Nicht spektakulär.
Nicht perfekt.

Einfach Zeit für:
Kaffee in der Sonne.
Gemeinsame Autofahrten.
Hundespaziergänge.
Gartenarbeit.
Lachen über völlig belanglose Dinge.
Nebeneinander einschlafen.
Normale Tage.

Denn genau diese normalen Tage fühlen sich inzwischen manchmal wie etwas sehr Besonderes an.