Verbunden durch Worte
Es gibt Menschen, die stolpern nicht laut in unser Leben.
Sie stehen plötzlich einfach da. Zwischen Nachrichten. Zwischen Gedanken. Zwischen all dem, was man eigentlich nur kurz ins Internet schreibt — und bleiben dann.
Tanja ist so ein Mensch.
Wir haben uns nicht gesucht und trotzdem gefunden.
Verbunden durch Worte. Durch Krankheit. Durch Bücher. Durch die Liebe zur Küste, zur Natur und zu diesen stillen Gedanken über das Leben, die man nicht mit jedem teilen kann.
Sie ist die, die mir manchmal schon morgens von ihrem Tag erzählt.
Die ihre Sorgen mit mir teilt.
Und gleichzeitig meine Sorgen mitträgt, als wären sie nicht nur meine allein.
Stundenlange Nachrichten in beide Richtungen.
Manchmal tiefgründig. Manchmal vollkommen albern.
Mal über das Leben. Mal über Ängste. Mal über Bücher.
Und manchmal einfach nur darüber, wie schwer oder schön ein Tag gerade ist.
Dabei wohnen zwischen uns viele Kilometer.
Und trotzdem fühlt sich manches näher an als Menschen, die direkt neben einem sitzen.
Zwei Mal haben wir uns bisher wirklich gesehen.
Einmal auf der Buchmesse in Frankfurt.
Und einmal im Urlaub — nur für ein paar Stunden, bevor mein Corona-Test plötzlich positiv wurde und alles wieder Abstand brauchte.
Aber vielleicht sind Begegnungen gar nicht immer davon abhängig, wie oft man sich sieht.
Vielleicht geht es eher darum, wer bleibt.
Wer zuhört.
Wer schreibt.
Wer versteht.
Wer da ist, auch wenn nur ein Bildschirm zwischen zwei Menschen liegt.
Manche Freundschaften entstehen nicht klassisch.
Nicht im Kindergarten.
Nicht in der Schule.
Nicht im Büro.
Manche entstehen zwischen Nachrichtenfenstern, gemeinsamen Gedanken und dem Gefühl, verstanden zu werden.
Und genau deshalb bekommt meine Tanja heute ihren Platz hier im Blog.
Weil manche Menschen nicht laut auftauchen müssen, um wichtig zu werden.