Erinnerungen

Angst Apr 3, 2017

in der letzten Woche habe ich zwei Fragen gestellt bekommen, auf die ich heute gerne noch mal in meinem Blog eingehen möchte…
die eine kam von einer Bekannten die an Brustkrebs erkrankt ist und nun die Chemotherapie beginnt…

Y: „Wie hast du es geschafft die Chemotherapie durchzustehen?
Hast du irgendwelche Tipps Hinweise ect ?“

ich gestehe, ich konnte erstmal gar nicht auf diese Frage antworten…weil mein Hirn dieses 2015 scheinbar irgendwo abgelegt hat, wo ich nicht sofort drauf Zugriff bekomme…ich musste eine Weile nachdenken…und auch dann merkte ich das alles mehr oder weniger schwammig in meinem Kopf ist…
aber beantwortet habe ich die Frage letztendlich doch und meine Antworten möchte ich hier gerne abdrucken…

Ich: also ich hab die Chemo nie als Feind empfunden….von der inneren Einstellung hab ich ihn immer als einen Kumpel betrachtet…nicht unbedingt den Besten…aber er war okay…
ich hab mir nen Chemoplan gestaltet…mit Sprüchen und Blumen und so…und dann konnte ich immer nach gegebener Chemo was abstreichen…hab gesehen wie es weniger wird…
am Chemotag immer gut und ausreichend trinken…
über Übelkeit nicht nachdenken…in der Apotheke gibt es aber Akupressurbänder gegen Reisekrankheit…
und viel bewegen und an die frische Luft…gib dein Leben nicht auf…mach Dinge die dir Spass machen…versteck dich nicht…
und reden…Freunde sind dafür ganz gut…meine haben mit mir gelacht und geweint…haben doofe Witze über mich und mit mir gemacht…
ja das war wohl das was ich so im Rückblick getan habe…ich habe gelebt…ich bin dem Rat meines Hausarztes gefolgt, der meinte immer „schnapp dir deine Freundinnen und geh ein Bier trinken…da haste mehr von als wenn wir hier einen Plan ausklügeln“
und recht hat er gehabt…ich bin ihm noch immer dankbar dafür…
unser aller Leben ist zeitlich begrenzt…es kommt aber drauf an was du mit deiner Lebenszeit anfängst…du kannst Zeit verschwenden…das ist vollkommen in Ordnung…wenn du dir dessen bewusst bist…denn dann ist sie gar nicht so verschwendet 🙂
und dann gab es da noch eine Kollegin…sie hat gerade ebenfalls eine Scheissdiagnose bekommen…diese hat aber mal nichts mit Krebs zutun…
ihre Frage war:
„darf ich fragen wie du das damals gemacht hast?“
klar darf sie…wobei ich sagen muss das ich mich an diese Sachen noch recht gut erinnern kann…
wir haben verschiedene Dialoge hin und her geschrieben…es ging darum, wie ich mit der Diagnose „chronisch krank/ Krebs krank“ umgegangen bin…
X: „ich fühle mich komplett anders…so habe ich mich noch nie gefühlt und so kenne ich mich auch nicht…“
„schlimm ist das Gefühl am Boden zu liegen“

Ich:
im eigenen Rückblick kann ich sagen das man das „auf dem Boden liegen“ zulassen muss…einmal runter und zur Ruhe kommen und dann gucken wie es weiter geht…wie man selbst weiter machen will…wichtig ist was du willst…nicht was andere für richtig halten…du wirst genug gute Ratschläge erhalten…nur leider ist gut gemeint nicht immer gut…
Tage lang dachte ich, ich sitz im falschen Zug…im wahrsten Sinne der Worte…irgendwann machte es klick im Kopf…das ist einfach ein Prozess den du durchläufst…das merkst du wenn du durch bist…schau dir die Sterbephasen von Kübler Ross an….die sind letztendlich ähnlich…ich glaube sie brauchen wir zum verstehen…und irgendwann kommt der Punkt wo dir bewusst wird das dein Leben begrenzt ist…und dann wirst du wieder leben…mehr und anders als vorher…manche Dinge rutschen in den Hintergrund und andere treten hervor…du bekommst dein altes Leben nicht zurück…du bekommst ein neues…Reset…alles auf Start und noch mal…versuch es zuzulassen, ich persönlich liebe das neue Gefühl der Endlichkeit…das wovor ich früher Angst hatte…denn ich weiss das ich nun wirklich lebe…das mache was ich machen möchte und sage was zu sagen ist…
ich weiss das dich Worte wie „alles wird gut“ nicht weiter bringen…weil du in dir etwas anderes fühlst…
aber denk dran auch dein Umfeld weiss nicht wie es dir nun begegnen soll…ich weiss wie verstört manche waren als ich anfing über mich selbst und die Krankheit Witze zu machen…und irgendwann machten sie mit…tauten auf…
geh in deinem eigenen Tempo…so langsam wie du willst…alles andere egal…
deinKopf schützt dich eine Zeit lang…du bist weder depressiv noch sonst was…du bist in nem Ausnahmezustand…und ne leicht depressive Ader tragen wir alle in uns..also ist alles gut und richtig mit dir…
ja soweit mal ein kleiner Rückblick auf Gedanken und Gefühle von mir…ich denke so wie es mir ging, so wird es auch vielen anderen gegangen sein…

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