Während Yuki nicht mehr sucht, finde ich.
Heute waren wir wieder in der Wohnung meines Dads. Wir haben angefangen, die Küche auszuräumen. Schränke leeren. Sauber machen. Dinge sortieren. Behalten. Verschenken. Wegwerfen.
Und irgendwie merke ich, dass mir genau das hilft.
Es fühlt sich nicht einfach nur nach „Wohnung auflösen“ an. Es ist ein Abschiedsprozess.
So viele Dinge dort kenne ich seit meiner Kindheit. Ich kenne teilweise sogar die Geschichten dazu. Aber nicht alles davon gehört zu mir. Nicht alles muss weitergetragen werden, nur weil es alt ist.
Da standen zum Beispiel kleine Keramikgefäße für Salz und Pfeffer. Bestimmt hundert Jahre alt. Schon geklebt, schon ewig in der Familie. Und ich habe sie in den Glascontainer geworfen. 🙈
Marc sagte nur:
„Dann wird es Zeit, dass sie in ihren Ruhestand gehen.“
Und irgendwie war das genau richtig.
Manches darf einfach gehen.
Und manches eben nicht.
Denn während wir Schränke leeren und Dinge aussortieren, finde ich plötzlich ein altes Foto. Darauf mein Hund Biene. Und Purzel, das Meerschweinchen meiner Freundin Britta. Sie durfte ihn damals nicht mehr behalten – also zog er bei uns ein.
Und plötzlich ist da nicht mehr die Wohnung meines toten Vaters.
Plötzlich bin ich wieder irgendwo in meiner Kindheit.
Ich sehe Tiere, Menschen, Situationen, an die ich seit Jahren nicht mehr gedacht habe. Kleine Geschichten, die längst irgendwo ganz hinten im Kopf verschwunden waren.
Dieses Foto bleibt.
Und dann ist da Yuki.
Als wir früher in die Straße meines Dads eingebogen sind, fing sie schon im Auto an zu fiepen und zu „quatschen“. Sie wusste genau, wo wir hinfahren. In den letzten Wochen vor seiner Klinikeinweisung war sie besonders nah bei ihm. Sie legte ihren Kopf auf seinen Oberschenkel und blieb dort. Fast so, als würde sie wachen.
Seit er in die Klinik kam, hat sie beim Abbiegen in seine Straße nicht mehr gefiept.
Und als wir jetzt wieder in der Wohnung waren, hat sie auch nicht gesucht. Kein hektisches Schnüffeln. Kein Zimmer kontrollieren. Sie stand meistens einfach an der Tür und schaute uns zu.
Als würde sie längst wissen, was ich selbst noch begreifen muss:
Er ist nicht mehr hier.
Vielleicht sucht Yuki deshalb nicht mehr.
Dafür suche ich.
Und finde.
Nicht nur meinen Dad.
Ich finde meine Kindheit. Meine Tiere. Alte Geschichten. Kleine Stücke von mir selbst.
Vielleicht ist genau das Abschiednehmen:
Nicht alles festhalten.
Nicht alles wegwerfen.
Sondern entscheiden, was bleiben darf.
Und manches darf nach sehr langer Zeit einfach in den Ruhestand gehen. ❤️